Corona – Krise und Chance? Auf jeden Fall Veränderung

In jeder Krise steckt eine Chance! Gut – da klimpern gerade 5 Euro in das fette Phrasenschwein. Ist aber tatsächlich so, wenn man die Kreativität sieht, mit der die SHK-Branche den Laden am Laufen halten will. Und es bisher eigentlich auch ganz gut schafft.

Virtueller 3D-Rundgang durch die Badausstellung – das geht dank „Scireum“ auch zu Corona-Sperrzeiten. Und wird doppelt interessant durch verlinkte Zusatzinfos.
Quelle: Martin
Virtueller 3D-Rundgang durch die Badausstellung – das geht dank „Scireum“ auch zu Corona-Sperrzeiten. Und wird doppelt interessant durch verlinkte Zusatzinfos.

Um gleich mit einer Binse weiterzumachen: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen. Heißt es; erstmals wohl durch Francis Bacon irgendwann Mitte des 16. Jahrhunderts. An Aktualität verloren hat der Satz aber trotzdem nicht, wie die Corona-Krise zeigt. Denn insbesondere durch die lock-down-bedingte Schließung der Ausstellungen war bekanntlich auf einmal nichts mehr mit aktivem Verkaufen durch das verkaufsaktive Fachhandwerk. Stattdessen: Mühsames Beraten am Telefon, vielleicht noch der Mundschutz-geschützte persönliche Besuch beim Kunden, um ihm oder ihr mundgerecht die neuesten Küchen-Wannenrand-Gästebad-Armaturen immer im trauten Zwiegespräch vorzustellen – das war es dann aber auch schon. Nur bedingt zielführend, weil aufwändig und in den wenigsten Fällen daher wirklich gewinnträchtig. Fast immer aber irgendwie frustrierend, weil gleichzeitig beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die Baumärkte öffnen durften. Und daselbst gab es eben Armaturen in Hülle und Fülle direkt zu sehen und zu befühlen und zu kaufen, derweil das Fachhandwerk in die Röhre schaute…

Virtuelle Ausstellungen von „Scireum“

Dass es aber künftig unabhängig von Corona viel häufiger wohl zukünftig noch einen verkaufsaktiven Weg zwischen den etablierten Welten gibt, das hat jetzt auf bemerkenswerte Weise eine vergleichsweise kleine Softwareschmiede aus dem Süddeutschen aufgezeigt. Präziser: die „Scireum GmbH“ aus Remshalden, 25 Kilometer östlich vor den Toren von Stuttgart gelegen. Groß geworden ist das 35 Mann-Unternehmen ursprünglich mit der Digitalisierung von Katalogen und beispielsweise der B2B Messaging-Lösung „Memoio“, Handelsinformationssystemen („Oxomi“) und E-Commerce-Plattformen für den technischen Großhandel („SellSite“). Die qualifizierte Verarbeitung und Bereitstellung von Daten hat man darüber schon bestens unter Beweis gestellt. Wieso also nicht jetzt noch einen Schritt weitergehen und auch das digitalisieren, was sich – eigentlich von Natur aus physische Präsenz bedingend – eben diesem Digitalisieren bislang entzog; nämlich der Besuch der Ausstellung beim Fachgroßhandel? Und zwar nicht in irgendeinem virtuellen Showroom bei einem nicht minder virtuellen Großhandel, dem nur das Logo als Individualisierungsmerkmal zugeordnet ist. Sondern digital-virtuell in genau der Ausstellung, die es auch tatsächlich vor Ort zu sehen gibt und gäbe, wenn denn nicht Corona einen Strich durch die dortigen Kojen gezogen hätte?

Der „Trick“ dahinter: das Datenverarbeitungs-Know-How der „Scireum“-Spezialisten auf der einen Seite, ihr Potential zur zeitgleichen Bereitstellung großer Datenmenge sowie des zugehörigen Transfers auf der anderen – und eine 360°-Abbildung der realen Ausstellung. Als digitales Foto kann die, sagt „Scireum“-Geschäftsführer Michael Haufler, im Prinzip jeder ortsansässige Fotograf „mal eben“ machen. Dann ab damit Richtung Remshalden, wo rechnergestützt aus dem Rundumbild eine hoch informative Ausstellungsbegehung wird: Per Mausklick daheim auf dem Bildschirm, aber mit inte­grierten Links zu einzelnen Produkten, und darüber wiederum eine Fülle an Hintergrundinformationen, deren Tiefe allein vom Auftraggeber bestimmt wird. Wer zum Beispiel nur den Namen einer Armatur, deren Hersteller und spezifische Leistungsmerkmale hinterlegen will – kein Problem. Oder soll es doch mal etwas mehr sein, bis hin zum Brutto-Brutto-Preis für den Endkunden? Bitte schön, alles nur eine Frage, inwieweit die Datenbank im Hintergrund freigeschaltet ist.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Ändert sich die Ausstellung, wird nur diese Passage im Online-Auftritt aktualisiert. Ändern sich Produktdetails, ist die Anpassung genauso schnell und einfach gemacht. Und ganz großes Kino sind denkbare Erweiterungen hin zu „Kunden, die sich für diese Armatur interessierten, kauften auch…“-Empfehlungen. Oder zu „Ähnliche Produkte“-Angebote, die auf Wunsch eingespielt werden – und so entweder zu einer größeren Beratungsbreite gegenüber dem potentiellen Kaufinteressenten beitragen oder es unterstützen, wenn ein Fachgroßhandel seine Eigen- oder Handelsmarken auf Augenhöhe mit Hersteller-Marken präsentieren möchte, auch wenn der Kunde gezielt nach dem bekannten Anbieter A oder B gesucht hat…

Dienstag, 23.06.2020

Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal