Wasserwirtschaft 4.0? Weit gefehlt…

Versorger im digitalen Schneckentempo

Nur 47 von 100 möglichen Punkten! Da ist noch reichlich „digitale“ Luft nach oben.

Das Internet der Dienste und Dinge, das Verschmelzen physikalischer und virtueller Welten zu cyber-physischen Systemen (CPS), kurz: die alle Lebensbereiche umfassende Digitalisierung, ist das kennzeichnende Merkmal der 4. industriellen Revolution. Nur in der Wasserwirtschaft ist das noch nicht angekommen. Das offenbart eine aktuelle Studie der Hochschule Ruhr West (HRW) in Mühlheim/Ruhr, der „1. HRW-Digitalisierungsindex für die Wasserwirtschaft (2021)“.

Digitale Abbildung der physikalischen Realität… Trinkwassertalsperre in Südwestfalen.
Quelle: Albowski
Digitale Abbildung der physikalischen Realität… Trinkwassertalsperre in Südwestfalen.

Die Versorger, also die Betriebe der Energie- und Wasserwirtschaft, erreichen lediglich 47 von 100 möglichen Punkten im Grad der Digitalisierung und somit einen kaum durchschnittlichen Wert (siehe Grafik 1). Jedoch kann die Branche aufgrund ihrer heterogenen und kleinteiligen Struktur nur bedingt mit anderen Industriezweigen verglichen werden. Deshalb entwickelte die HRW einen spezifischen „Digitalisierungs-Index“ sowohl für die Ver- als auch die Entsorgungsunternehmen der Wasserwirtschaft.

Mit 47 von maximal 100 Punkten liegen die Versorger im digitalen Mittelfeld der Branchen. Bis 2023 sollten 50 Punkte erreicht werden.
Quelle: BMWi/Monitoring-Report
Mit 47 von maximal 100 Punkten liegen die Versorger im digitalen Mittelfeld der Branchen. Bis 2023 sollten 50 Punkte erreicht werden.

Dabei wird die Digitalisierung nicht nur als die Einführung entsprechender Informations-Technologien gesehen. „Vielmehr ist eine ganzheitliche Transformation zu erwarten, die sich nicht auf die IT-Systeme beschränkt, sondern alle Bereiche eines Unternehmens betrifft“, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hier erläutert. Dafür werden vier Gestaltungsfelder des innerbetrieblichen Digitalisierungsprozesses benannt:

  • Die Ressourcen des Unternehmens,

  • die Informationssysteme,

  • die interne Organisation und

  • die Unternehmens-Kultur.

Diesen Feldern wiederum werden 15 digitale Kriterien zugeordnet. In rund 190 telefonischen Interviews mit Verantwortlichen der Wasserwirtschaft wurden diese Punkte diskutiert und der jeweilige Index ermittelt.

Informationsverlust gleich Zeit- und Geldverlust… Die Vorteile der Digitalisierung zeigt der Vergleich eines „traditionellen“ mit einem BIM-gestützten Bauprojekt.
Quelle: „Wasserversorgung 4.0“
Informationsverlust gleich Zeit- und Geldverlust… Die Vorteile der Digitalisierung zeigt der Vergleich eines „traditionellen“ mit einem BIM-gestützten Bauprojekt.

Strategien für die digitale Transformation

Der BDEW unterstützt seine Mitglieder bei der Digitalisierung und will „aus der Praxis für die Praxis“ strategische Leitlinien entwickeln. Eine erste Grundlage dafür bietet das Papier von German Water Partnership „Wasserversorgung 4.0“. „In vielerlei Hinsicht haben die Unternehmen der Wasserwirtschaft einen beachtlichen Weg auf dem Pfad der Digitalisierung zurückgelegt und vielfältiges Digitalisierungsengagement gezeigt. In einigen Bereichen besteht gleichwohl Nachholbedarf, um die nächsten Etappenziele zu erreichen – dies sollte aber nicht dazu verleiten, die erzielten Erfolge zu schmälern“, ziehen die Wissenschaftler der HRW ein erstes Fazit.

Montag, 24.05.2021

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