Messsystem für Legionellenkontamination

Tübinger Start-up entwickelt automatisiertes Verfahren

Die BlueLab Wasseranalysesysteme GmbH hat ein automatisiertes und schnelles Messsystem zum Nachweis von Legionellen entwickelt.

Das Bild zeigt das Messsystem unter einem Waschbecken im Hintergrund sind fluoreszierende Legionellen.
Quelle: BlueLab
Das Tübinger Start-up BlueLab entwickelt ein automatisiertes Messsystem für Legionellenkontamination.

Das kleine Gerät wird im Leitungssystem installiert und erstellt digitale Auswertungsergebnisse. Das Start-up aus Tübingen in der Bio-Region STERN liefert damit eine Lösung zur Früherkennung von Gefahrensituationen, die weltweit in den Trinkwasserleitungen nahezu aller Gebäude latent vorhanden sind. Gründer und Entwickler Dr.-Ing. Michael Jauss wurde dafür jüngst mit dem Innovationspreis des Arbeitskreises der Bio-Regionen in Deutschland ausgezeichnet.

Die deutsche Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) sieht bereits eine regelmäßige Untersuchung von Trinkwasseranlagen vor. Dazu werden vor Ort Proben entnommen und an akkreditierte Labore verschickt. Dort erfolgt die Kultivierung auf Agarplatten und Auszählung der Keimzahlen, deren Ergebnis der Vermieter oder Betreiber der Anlage nach etwa 14 Tagen erhält. „Viel zu umständlich und zu langsam“, fand Dr. Michael Jauss, Geschäftsführer eines Unternehmens, das Kunststoffteile für die Automobilindustrie herstellt, und entwickelte kurzerhand eine ganz neue Analysetechnologie. Der Ingenieur und Prototyp des schwäbischen Tüftlers formulierte als Anforderung, dass das wartungsfreie System eine automatische Analyse vor Ort liefern und die Daten jederzeit an die Anlagenbetreiber melden können muss.

„Unter anderem musste der Temperatur- und Durchflusssensor für die Entnahmestelle neu angepasst werden“, erklärt Dr. Jauss. „Wir haben die Antigen-Antikörper-Reaktion mit Fluoreszenz-Auswertung für das Analyseverfahren gewählt. Dieses ist bereits etabliert. Zur Identifikation und Zählung der fluoreszenz-markierten Legionellen mussten wir jedoch ein ganz neues optisches Verfahren entwickeln, bei dem das Filtrat am Ende sozusagen fotografiert wird.“ Außerdem galt es, eine neue Rezeptur zu finden, um die Reagenzien im Testsystem haltbar zu machen. Insgesamt wurde eine Technologie entwickelt, die eine automatisierte Vor-Ort-Untersuchung von Trinkwasseranlagen auf Legionellenbefall ermöglicht und die Anlage gleichzeitig auf Risikofaktoren für eine Kontamination überwacht. Drei Patente hat der Ingenieur dafür inzwischen angemeldet.

Das Produkt-Konzept sieht vor, das Analysegerät als festen Bestandteil des Wassersystems an den Überwachungspunkten zu installieren. Das Gerät kommuniziert über Funktechnologie mit einem Server und schafft für den Betreiber Transparenz in Echtzeit. Da es nicht nur um Wohngebäude, sondern auch um Krankenhäuser, Hotels, Sporteinrichtungen, öffentliche und gewerbliche Gebäude geht, schätzt Dr. Jauss, dass allein in Deutschland etwa zwölf Millionen Prüfstellen in Intervallen zwischen drei Monaten (Krankenhäuser) und drei Jahren (Mietobjekte) untersucht werden müssen. So ist das Projekt für den Unternehmer längst keine Freizeitbeschäftigung mehr. Nach dem „Proof of Concept“, mit dem bestätigt wurde, dass seine Idee technisch und wirtschaftlich funktioniert, gründete er 2018 in Tübingen die BlueLab Wasseranalysesysteme GmbH. Im April 2019 wurde er vom Arbeitskreis der Bio-Regionen in Deutschland mit dem Innovationspreis der BioRegionen ausgezeichnet.

„Dr. Jauss und BlueLab liefern einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitssicherung. Wir hoffen, dass dieses vielversprechende Unternehmen jetzt die richtigen Investoren findet, damit das Produkt so schnell wie möglich auf den Markt kommt“, erklärt Bio-Region STERN-Geschäftsführer Dr. Klaus Eichenberg.

Weiterführende Informationen: https://twitter.com/BioRegioSTERN

Dienstag, 21.05.2019