Wir können alles. Vor allem billig!

Ob das in diesem Jahr wirklich noch auf eine friedvolle Adventszeit hinausläuft? Das, was aktuell auf unserer seit Jahrzehnten so bewährten "3stufigen Wertschöpfungskette" in der SHK-Branche mit ihrer zumindest bis dato noch halbwegs funktionierenden Aufgabenverteilung passiert?

Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein, heißt es ja. Aber wenn man die letzten Monate Revue passieren lässt, dann hat man den Eindruck: Da wollte eher jeder der erste sein als die Schuld bei sich zu suchen. Was ist geschimpft worden über Vaillants Online-Vertriebskonzept "HeizungOnline". Und dann? Gehen die regionalen Verbandsfürsten zwar nicht mit dem nächstbesten, aber dem naheliegend Besten Großhandel in NRW zumindest verbal-lobend "in's Bett", als der sich online engagiert. Ähnlich "partner-orientiert" sieht es aber auch im Süden aus. Wo das Kartellamt beim Handwerk mal nachfragen wollte, wie sich denn das Zusammenschlussverfahren zwischen Cordes&Grafe und Gienger auf der Nachfrageseite auswirken würden. Da bat der Verband seine Mitglieder umgehend um "sorgfältige Bearbeitung" der Unterlagen, denn man habe ja "ein überragendes Interesse an der Gewährleistung eines ausgewogenen Wettbewerbs im SHK-Handel." Das ist gut; und so ganz unparteiisch. Noch nicht mal zwischen den Zeilen…

Noch ein Beispiel, aber diesmal aus dem Großhandel? Der zunächst im Norden seine Badausstellung so gelungen endkundennah aufstellte, inklusive Datenpflege zu Montagekosten und Co. des Fachhandwerks – um dann in kleine spitze Empörungsschreie auszubrechen, als sich Armaturenhersteller Dornbracht auch etwas online bewegte? Im Vergleich zum GroßenCoup war das zwar nur ein kleiner Schritt, aber als Affront mit Scheidungskonsequenzen schon groß genug.

Und jetzt kommt aus eben derselben Leistungsstufe im bewährten Vertriebsweg ein kleines feines Ding zum Schluss: Jetzt kommt Lidl! Nein, nicht die Billigheimer-Kette selbst. Aber deren Verkaufspolitik. Hier die Eigenmarke = viel billig. Daneben der Markenhersteller = deutlich teurer. Mit Echtpreis. Auf der Verkaufstheke im Abhollager augenfällig präsentiert. Das ist Partnerschaft!

Natürlich hat der Handwerker die freie Wahl. Eben genau wie bei Lidl, wenn das dauerklamme Portemonnaie drückt, aber Jacceeline und Jusstien trotzdem mit einer 1,5-Literflasche brauner Chemiebrause ihre ADHS-Symptome bekämpfen wollen. Und Papa (oder Mama) dann nein sagen müssten, weil am Ende des Geldbeutels noch so viel Monat übrig ist – wenn Lidl nicht schon auf dem Plakat an der Eingangstür gegeneinander gestellt hätte, wie günstig der eigene Brausenmix doch ist…

So werden Geschäfte gemacht! Augenscheinlich auch im Fachgroßhandel. Fragt sich nur, wie lange sich das die starken Marken-Hersteller noch gefallen lassen.

Lidl-Werbung: Vergleich der Preise des Markenprodukts und der Eigenmarke.
Quelle: Martin Marketing GmbH
So einfach geht verkaufen: links die Marke, rechts das vermeintlich vergleichbare Produkt in billig. Beim Großhandel hat man es gesehen, und kann es jetzt auch. Beispielsweise mit Betätigungsplatten… Toll. Anerkennung! *und ironiemodus wieder aus*

Montag, 21.11.2016

Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal