KRV-Stellungnahme zum aktuellen Rohstoffmarkt

Wertschöpfungskette der Kunststoffrohr-Industrie steht unter starkem Druck

Alle Partner der Wertschöpfungskette der Kunststoffrohr-Industrie sehen sich aktuell mit extremen Herausforderungen konfrontiert.

Das Bild zeigt Markus Hartmann.
Quelle: KRV
Markus Hartmann, neuer KRV-Geschäftsführer.

Neben einer stark eingeschränkten Verfügbarbarkeit von Rohstoffen und Rohrwerkstoffen für alle Partner, sind auch signifikante Preissteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu beobachten. Dies betrifft alle Stufen der Wertschöpfung für Kunststoffrohre aus den Werkstoffen PE, PP und PVC. Der Kunststoffrohrverband e.V. (KRV) stellt fest, dass extreme Herausforderungen in allen Bereichen der Lieferkette bestehen. Zwar arbeiten alle Beteiligten unter Hochdruck daran, die sich daraus ergebenen Risiken für ihre Kunden zu minimieren, weisen aber auch auf den erheblichen wirtschaftlichen Druck hin, der die gesamte Branche belastet. Die Kunststoffrohr-Industrie blickt daher mit großer Besorgnis auf die drohenden Rohstoffengpässe und die Vielzahl von Force Majeure Meldungen, die Rohstoffhersteller in den letzten Wochen für PP, PE und PVC ausgerufen haben.

Hintergrund

Die Gründe für die aktuell so angespannte Lage der Kunststoffverarbeiter sind vielfältig und vielschichtig zugleich: Die Covid-19-Pandemie führte weltweit zu einem Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage von Kunststoffprodukten. Dieses resultiert vornehmlich daraus, dass Asien, speziell China, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist und die Nachfrage nach Rohstoffen dort entsprechend früher als in Europa oder den USA gestiegen ist. Dies hatte nicht nur einen erheblichen Abfluss von Rohstoffen in den asiatischen Raum zur Folge, sondern führte zudem zu einem sehr starken Anstieg der Fracht- und Logistikkosten, die die Branche nach wie vor belasten.

Verschärft wurde die Situation Anfang des Jahres durch massive Anlagenausfälle auf Seiten der Rohstoffhersteller infolge des Wintereinbruchs in weiten Teilen der USA, die eine schwere Belastungsprobe für die ohnehin angespannten Lieferketten darstellten und bis heute die Belieferung europäischer Kunden mit Produkten aus den USA nachhaltig beeinträchtigen. Weiteren Druck auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen bringen zudem die geplanten, technisch erforderlichen oder regulatorisch vorgeschriebenen Wartungsarbeiten in europäischen Anlagen sowie die Force-Majeure-Meldungen zahlreicher Kunststoff-Hersteller, die Produktionsausfälle in erheblichem Ausmaß befürchten lassen.

Einsatz von Rezyklaten

Da ein Ausweichen auf Recyclingmaterialien für Kunststoffrohranwendungen nur begrenzt möglich ist, können die Preissteigerungen auch nicht durch das Ausweichen auf Alternativmaterialien wie Rezyklaten abgefedert werden. Denn für viele sicherheitsrelevante Druckanwendungen verhindern gesetzliche Sicherheitsvorschriften, technische Regelwerke und hohe Qualitätsanforderungen derzeit einen breiteren Einsatz von Rezyklaten. Auch sind Rezyklate vielfach noch nicht in ausreichenden Mengen in gleichbleibender Qualität verfügbar. Dies hat zur Folge, dass die Preissteigerungen die Kunststoffrohr-Industrie stark treffen.

Hinzukommt, dass der Einbruch des Welthandels zu Beginn der Covid-19-Pandemie und die im 4. Quartal 2020 sprunghaft wieder angestiegene Nachfrage zu teils chaotischen Situationen im Frachtgeschäft geführt haben: Vielfach fehlt es an Containern, die infolge der Pandemie in den falschen Häfen gestrandet sind. Das knappe Angebot und die starke Nachfrage nach Frachtkapazitäten haben beispielsweise die Containerpreise auf der Strecke Asien-Europa seit Ende 2020 um mehr als 400 Prozent ansteigen lassen. Importe von Rohstoffen oder Rohrsystemen können die Produktionsausfälle in Europa nicht ausgleichen.

Samstag, 15.05.2021

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