Klimaforschung ist Wissenschaft? Manchmal staunt der Laie.

Der globale Klimawandel ist ein hochgradig politisches Thema. Weil es publikumswirksame Bilder gibt, wenn sich die Entscheider aus Berlin oder sonst wo beispielsweise mit kleinen weinenden Eisbären auf brechender Scholle inszenieren können.

Oder wenn der alte Südsee-Häuptling reich tätowiert die drohenden Überschwemmungsszenarien seines kleinen Eilandes als Menetekel in den Strand malt und Ausstiegsszenarien bis nach Australien durchspielt. Der globale Klimawandel ist aber vor allem deswegen ein hochgradig politisches Thema, weil daran gut verdient wird. Auch hierzulande.

Entsprechend lange hat es gebraucht, bis in der Diskussion um den Klimawandel zumindest das Attribut „menschgemacht“ nicht mehr ganz so reflexhaft gebraucht wurde. Die hierzulande besonders gebräuchliche Argumentationskette mit dem Schadstoffausstoß von SUVs oder den ungedämmten Häuserwänden und ihrer „Verantwortung“ für den Klimawandel war zwar eingängig. Aber irgendwann müssen auch solche Behauptungen mit Zahlen hinterlegt werden – und da wird die Luft ganz schnell dünn. Vor allem, wenn man die jährlichen Emissionen des deutsche Autoverkehrs mit dem täglichen Schadstoffausstoß chinesischer Kohlekraftwerke in Beziehung setzt. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Klimaforscher berechnen vorausschauend und –eilend den Klimawandel. Wie belastbar die daraus entwickelten Szenarien sind, sei vor dem Hintergrund der aktuellen „Rechtfertigungsvolten“ mal dahingestellt.
Quelle: Martin
Klimaforscher berechnen vorausschauend und –eilend den Klimawandel. Wie belastbar die daraus entwickelten Szenarien sind, sei vor dem Hintergrund der aktuellen „Rechtfertigungsvolten“ mal dahingestellt.

Wie dehnbar die Berechnungen und ihre Interpretationen aber immer noch sind, zeigt jetzt einmal mehr die Diskussion um die vermeintliche oder tatsächliche „Pause“ der Erderwärmung zwischen 1989 und 2012. Da passten die Daten der Klimaentwicklungsvorhersager so gar nicht mehr. Was bei so langfristigen Modellen mit derart vielen Variablen, vor allem mit derart vielen und teilweise auch noch gar nicht erforschten Wechselbeziehungen auch nicht schlimm wäre – wenn nicht gleichzeitig die entsprechenden Wissenschaftler mit einem bemerkenswerten Absolutheitsanspruch ihrer Aussagen aufträten. Oder sich zumindest medial so verkaufen lassen.

Geht die Vorhersage dann schief, liegt es eben – wie jetzt allerorten nachzulesen und nachzuhören ist – an den „unterschiedlichen Daten“, an den „unterschiedlichen Betrachtungszeiträumen“, an der „Definition des Unterbrechungszeitraums“, an der „Aufbereitung der Messdaten“, an der „relativ geringen Abdeckung mancher Weltregionen bei älteren Modellen“ oder an der „Aufbereitung der Messdaten“, also welche Werte von hier wie mit welchen von da oder dort in was für Korrelationen gesetzt werden.

Verkürzt könnte man auch sagen: Wir wissen es nicht und versuchen verzweifelt, irgendwie ein für uns eigentlich viel zu komplexes naturwissenschaftliches Modell in den Griff zu bekommen. Was ja nichts Verwerfliches ist!

Anders sieht es aus, wenn so wie jetzt „nachgebessert“ wird. Fakt ist nämlich: Wenn als Begründung bei Abweichungen auf die nicht korrekte oder nicht passende, zumindest aber nachbesserungsbedürftige Betrachtungs- und Berechnungsmethodik verwiesen wird – wie belastbar ist denn dann das neuerliche Ergebnis? Oder handelt es sich wieder nur um eine Beschreibung, die lediglich so lange trägt, bis „die Wissenschaft“ wieder neue Berechnungsmethoden / neue statistische Methoden / neue Messmethoden / neue Betrachtungswinkel / neue Gesamtzusammenhänge (alles original Zitate!) oder was auch immer Neues entdeckt hat und in ihr dann ebenfalls wieder neues Weltbild so lange einbezieht, bis das alte wieder passt?

So lange das so ist, darf sich meines Erachtens die geneigte Wissenschaft nicht wundern, wenn die Zahl der Klimaskeptiker eher zu- denn abnimmt. Und sollte in diesem Kontext vielleicht auch darüber nachdenken, ob jede Publikation der eigenen Meinung für die wissenschaftliche Reputation wirklich bedeutsam ist, oder am Ende nicht nur der eigenen Glaubwürdigkeit schadet?

Eckhard Martin
Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal