Forschung und Entwicklung als wirkungsvollster Brandschutz

Die Fortentwicklung der Brandschutzsysteme ist entscheidend, um die steigenden materiellen Schäden durch Feuer zu senken. Viele Innovationen...

...der Branche sind vielversprechend, doch der große Wandel steht erst noch bevor. In den vergangenen Jahren erhöhten sich die Sachschäden durch Brände kontinuierlich. Und noch immer sterben in Deutschland hunderte Menschen durch Rauch und Feuer1. Aus diesem Grund bleibt die Erforschung und Entwicklung zukunftsweisender Brandschutztechnologien von entscheidender Bedeutung. Der Fortschritt von Lumpen und Eimern über Kolbenpumpen bis hin zu hochmodernen Stickstoff-Feuerlöschsystemen zeigt: Forschung und Entwicklung ist der effektivste Schutz gegen die Flammen.

Im 16. Jahrhundert wurden die ersten Handdruckspritzen gebaut. Mit den Geräten versuchten die Feuerwehren, das Übergreifen der Flammen auf brandgefährdete Objekte zu verhindern, die durch Wassereimer schwer erreichbar waren.
Quelle: Andreas Franzkowiak, Museum für Hamburgische Geschichte, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Im 16. Jahrhundert wurden die ersten Handdruckspritzen gebaut. Mit den Geräten versuchten die Feuerwehren, das Übergreifen der Flammen auf brandgefährdete Objekte zu verhindern, die durch Wassereimer schwer erreichbar waren.

Weniger Verletzte, höhere Sachschäden

In diesem Jahr zerstörten zwei Großbrände eine Fläche von 3.000 Quadratmetern auf dem Industriegelände einer Papier- und Kunststofffabrik in der mainfränkischen Gemeinde Stockstadt. Die materiellen Schäden für die Unternehmen waren beträchtlich, verletzt wurde jedoch niemand.2 Dieser Fall spiegelt die allgemeine Entwicklung der Brandschäden in Deutschland wider: Immer weniger Verletzte, dafür immer höhere Sachschäden.

Die Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen zahlten im Jahr 2016 knapp 1,4 Milliarden Euro für Brandschäden – mehr als in den Jahren zuvor.3 Die entstandenen Gesamtkosten sind für betroffene Unternehmen jedoch deutlich höher. Schließlich können Betriebsunterbrechungen und Sachschäden die Existenz eines Unternehmens gefährden, etwa durch den Verlust von Marktanteilen, Imageschäden, schwindendem Vertrauen bei Investoren oder die Abwanderung von Fachkräften zum Wettbewerber. Die Erforschung und Entwicklung neuer Brandschutzlösungen kann diese Risiken entscheidend reduzieren.

Typischer Entwurf der hybriden Feuerlöschanlage „Victaulic Vortex“. Ein Netzwerk aus Rohren und Emittern führt Stickstoff und Wasser zur Brandstelle. Das Inertgas und winzige Wassertropfen absorbieren die Hitze des Feuers und senken den Sauerstoffgehalt in der Luft. Der hierdurch erzeugte Sprühnebel verbraucht 97 Prozent weniger Wasser als Anlagen die Hochdruckwasser­nebel erzeugen.
Quelle: Victaulic
Typischer Entwurf der hybriden Feuerlöschanlage „Victaulic Vortex“. Ein Netzwerk aus Rohren und Emittern führt Stickstoff und Wasser zur Brandstelle. Das Inertgas und winzige Wassertropfen absorbieren die Hitze des Feuers und senken den Sauerstoffgehalt in der Luft. Der hierdurch erzeugte Sprühnebel verbraucht 97 Prozent weniger Wasser als Anlagen die Hochdruckwasser­nebel erzeugen.

Von der Kolbenpumpe zum Stickstoff-Feuerlöschsystem

Den modernen Brandschutztechnologien geht eine lange historische Entwicklung voraus. Ab dem Jahr Null bekämpften die Feuerwehreinheiten Vigiles im Römischen Reich die Brände mit Lumpen, Eimern, Leitern und Einreißhaken. Im Mittelalter bildeten Feuerknechte die ersten Berufsfeuerwehren, die im 14.Jahrhundert Feuerspritzen einsetzten. Diese Feuerlöschpumpen wurden mit Wasser aus Eimern gespeist und von Pferden gezogen. Mitte des 19. Jahrhunderts setzten die Feuerwehren der westlichen Großstädte dampfbetriebene Feuerspritzen ein, aus denen sich das moderne Feuerwehrauto entwickelte. Schließlich revolutionierte die Internationale Feuerlösch-Gesellschaft mbH im Jahr 1912 die Brandbekämpfung, als sie den Schnell-Trocken-Feuerlöscher vorstellte, den Vorläufer des modernen Feuerlöschers.4

Verglichen mit früheren Entwicklungen sind heutige Brandschutzsysteme nicht nur deutlich leistungsfähiger, sondern auch einfacher und sicherer in der Installation und Wartung. Dies gilt beispielsweise für die Montage von Rohren mittels mechanisch genuteter Kupplungen – verglichen mit traditionellen Verbindungsmethoden, wie dem Gewindeschneiden. Victaulic, ein Hersteller von genuteten Kupplungen und Rohrverbindungslösungen, produziert etwa speziell für den Brandschutz Rohrverbindungen mit der Technologie „FireLock Innovative Groove System“. Kupplungen dieser Reihe sind mit dem montagefertigen „Installation-Ready“-System ausgestattet. Aufgrund der einteiligen Konstruktion müssen die Kupplung nur auf das genutete Rohrende aufgesteckt und die Mutter angezogen werden. Dadurch entstehen bei der Installation keine Späne und es müssen weder Öl noch Klebeband verwendet werden. Diese Kupplungen können etwa doppelt so schnell wie herkömmlich genutete Kupp­lungen montiert werden, zehnmal schneller als geschweißte und sechsmal schneller als geflanschte Verbindungen.

Eine der innovativsten Brandschutztechnologien sind hybride Anlagen zur Brandunterdrückung, die mittels Inertgas und einer geringen Menge an Wasser einen Sprühnebel erzeugen. Die erste Feuerlöschanlage, der diese Funktionalität zugrunde liegt, ist das im Jahr 2009 eingeführte System „Victaulic Vortex“. Hierbei gibt ein einziger Emitter Stickstoff und Wassertropfen ab, die kleiner als weiße Blutkörperchen sind. Die Hitze des Feuers wird dadurch absorbiert und der Sauerstoffgehalt in der Luft gesenkt. Brände werden auf diese Weise sehr schnell gelöscht, während 97 Prozent weniger Wasser als bei Anlagen mit Hochdruckwassernebel abgestoßen wird. Dieses Feuerlöschsystem ist vor allem in Einrichtungen relevant, in denen Wasser besondere Schäden anrichten kann, wie beispielsweise Rechenzentren, Bibliotheken oder Museen.

Mittwoch, 13.11.2019

Von Susan Schierwagen
Vice President of Coupling and Suppressions Systems, Victaulic