Energie macht Abwasserreinigung richtig teuer

Zu viel Phosphateintrag im Wasser

Freitag, 21.10.2022

Gewässerschutz gefährdet! Wegen Mangel an Salzsäure …

Die Energiekrise zieht immer weitere Kreise. Derzeit werden bestimmte Chemikalien für die Abwasserreinigung in Kläranlagen knapp. Betroffen sind sogenannte Fällmittel (Eisen- und Aluminiumsalze). Die binden bei der chemischen Reinigung die im Abwasser gelösten Phosphate. Ohne diese Fällmittel sind die Kläranlagen gezwungen, Abwässer mit grenzwertüberschreitenden Konzentrationen an Phosphaten in den natürlichen Wasserkreislauf einzuleiten! Damit ist der Schutz der Gewässer vor Eutrophierung – vor übermäßigem Nährstoffeintrag – extrem gefährdet. Phosphat wirkt nämlich wie ein Düngemittel: Mehr Nährstoffe bedeutet mehr Pflanzen- und Algenwachstum in Flüssen und Seen, bis hin zum „Kippen“ der Gewässer.

Bild zeigt Teich im Wald
Quelle: Martin
Phosphate sind kein Gift, sondern ein Düngemittel. Zuviel davon ist allerdings hoch problematisch für Teiche, Seen und Flüsse.

Kurzfristig lassen sich die Engpässe nicht beheben, wie Hersteller der entsprechenden Betriebsmittel betonen. Wegen der hohen Energiekosten fahren nämlich derzeit viele Hersteller die Produktion von Salzsäure zurück, einem Basisprodukt zur Herstellung von Fällmitteln.

„Nachbarschaftshilfe“ unter Kläranlagen

„Bund, Länder und die Wasserwirtschaft müssen alle Kräfte mobilisieren, um die Abwasserentsorger, aber auch Schlachthöfe und Molkereien, mit den nötigen Fällmitteln zu versorgen. Höchste Priorität habe, die Knappheit schnellstmöglich zu beenden, um die betriebsübliche Phosphor-Elimination störungsfrei zu gewährleisten“, fordert die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) wegen dieser Mangellage. Laut DWA erwartet immerhin jeder zweite Kläranlagenbetreiber aktuell Lieferausfälle (Stand: Okt. 2022). Daher können die Grenzwerte für Phosphor in geklärten Abwässern nicht mehr in jedem Fall garantiert werden. Die Wasserbehörden mehrerer Bundesländer wurden bereits angewiesen, solche Überschreitungen zeitweise zu dulden. Gleichzeitig müsse eine drastische Erhöhung der Abwassergebühren zu Lasten der Verbraucher vermieden werden, so die DWA.

Grafik zur Abwasserentsorgung
Quelle: DWA / BDEW
Die hohen Energiekosten bei der Produktion von Fällmitteln dürfen nicht die Verbraucher belasten, fordert die DWA

Der Verband hält auch eine „Nachbarschaftshilfe“ unter Kläranlagen für möglich: „Diese kann aber nur mit entsprechender Unterstützung durch die Behörden funktionieren. Insbesondere der Transport muss fachgerecht erfolgen. Auch der verstärkte Einsatz von Bio-P-Verfahren ist zu prüfen. Hier übernehmen spezielle Mikroorganismen den Phosphatabbau, ein Einsatz von Fällmitteln ist nicht nötig.“ Das sei allerdings nicht in allen Kläranlagen möglich.

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