Nur „heiße“ Luft? Trockene Dichtheitsprüfung unter Beschuss

Rechtliches Risiko für SHK-Installateur und Planer

Der TÜV Süd empfiehlt die nasse Variante, Hygiene-Experten schwören auf die trockene… bei der Dichtheitsprüfung neuer Trinkwasser-Anlagen. Planer und SHK-Handwerker haben die Qual der Wahl. Und bewegen sich juristisch auf dünnem Eis.

Nicht: Sein oder Nicht-Sein - nass oder trocken ist die Frage… bei der Dichtheitsprüfung neuer Trinkwasser-Installationen. Und die Frage ist nicht nur technisch-praktischer Natur. Dahinter steht die ethische Qual der Wahl zwischen dem Erhalt der menschlichen Gesundheit und der Prävention materieller Schäden.

Doch der Reihe nach: Besonders im süddeutschen Raum kommt es immer häufiger zu Diskussionen über zuverlässige Dichtheitsprüfungen in neu installierten Trinkwasser-Anlagen – mit einer Tendenz zu der These: Die nasse Prüfung ist deutlich zuverlässiger. Begründet wird das mit der technisch angeblich nicht so einfach durchzuführenden Prüfung mit Druckluft oder inertem Gas. Unterschiedliche Temperaturen und höhenbedingte Druckunterschiede beeinflussen die Messungen, kleinste Fehler oder Nachlässigkeiten können das Prüfergebnis verfälschen – so die Befürchtungen.

Deshalb empfiehlt der TÜV Süd AG, neu installierte Trinkwasserleitungen grundsätzlich mit Wasser auf Dichtigkeit zu prüfen. Auch erachten Versicherungen, laut TÜV Süd, die Luftprüfung zunehmend als nicht ausreichend. Das führe, so der TÜV Süd weiter, „zu einer zunehmenden Weigerungshaltung von Versicherungen, den Schaden zu regulieren, weil unter Berufung auf die DIN EN 806 die Dichtheit der Systeme abschließend nicht mit Wasser nachgewiesen wurde.“ Gerichte und Sachverständige könnten dieser Einschätzung folgen und urteilen, „dass der Installateur für den entstandenen Schaden allein und vollumfänglich haftet, da ihm mangelnde Sorgfalt unterstellt würde“, warnt der TÜV Süd. Dabei folgt der Fachmann doch nur den Empfehlungen und Merkblättern seiner Fachverbände…

Dicht oder hygienisch? Nur eine scheinbare Alternative

Das Problem der nassen Dichtheitsprüfung, vor allem bei größeren Bauprojekten, ist aber das stagnierende Restwasser, das in den Leitungen nach vollzogener Prüfung nahezu unvermeidlich verbleibt. Denn – stehendes Wasser begünstigt und befördert das Wachstum von Mikroorganismen wie beispielsweise Legionellen. Wird die Trinkwasseranlage also nicht sofort nach der (nassen) Prüfung in den bestimmungsgemäßen Betrieb genommen, was bei großen Bauprojekten selten der Fall ist, ist die ganze Sache hygienisch bedenklich. Behelfen könnte sich der SHK-Fachmann mit einer vorbeugenden chemischen Desinfektion der Trinkwasser-Anlage direkt nach der nassen Dichteprüfung. Die ist jedoch zum einen nicht hundertprozentig sicher und kollidiert zudem mit dem Minimierungsgebot der Trinkwasser-Verordnung.

Was aber vor allem zählt: Die trockene Dichtheitsprüfung mit Druckluft/Inertgas ist genau so zuverlässig wie die nasse Prüfung, sagen Fachleute aus der Praxis. Zumindest gäbe es keine anderen Hinweise. Um Risiken für die Trinkwasserhygiene auszuschließen, sei die trockene Dichtheitsprüfung sogar unverzichtbar, betont Harald Köhler, Gutachter der Inspektionsstelle für Trinkwasserhygiene ATHIS, und ergänzt: „Die menschliche Gesundheit und damit eine einwandfreie Trinkwasserqualität ist als Schutzziel immer höher zu bewerten als die Prävention materieller Schäden. Das wird im Übrigen auch in der Rechtsprechung so gesehen.“ Von daher sei die trockene Prüfung bei Trinkwasseranlagen, die nicht sofort in Betrieb genommen werden, unbedingt zu bevorzugen.

Endgültige Klarheit und vor allem auch technische und juristische Sicherheit für alle Beteiligten wird wohl erst durch eine rechtlich verbindliche Verordnung geschaffen.

Mittwoch, 21.11.2018