Pralles Leben und Smart Home: Passt das zusammen?

Blick durchs Schlüsselloch: Wie werden wir wohnen (IV)

Freitag, 04.08.2017

Die hochgradige Automatisierung unseres Alltags klopft (digital) an die Haustür. Ist das Smart Home Fluch oder Segen für unser (künftiges) Wohnen? Letzteres nur dann, wenn das lebendige Miteinander im Mittelpunkt stehe – nicht die smarte Technik, sagt das Zukunftsinstitut.

Wollen wir dieperfekte Hülle für unseren Wohnraum? Nein, nicht die energetische, sondern die digitale, vor allem aber mentale? Wollen wir das fast schon embryonal anmutende Einhüllen und Kuscheln im SmartHome? Wie „smart“ ist das wirklich? Antworten darauf sucht die Studie „50 insights- Zukunft des Wohnens“ des Zukunftsinstituts.

Das Haus der Zukunft“, zitiert die Studie einen schwärmerischen Anbieter für Heimelektronik, „wacht morgens von alleine auf, regelt die Temperatur auf ein angenehmes Maß, erzeugt die gewünschte Helligkeit, weiß genau, wer an der Tür steht, und bringt das Essen pünktlich und lecker auf den Tisch“. Soweit die Vision

Leben ist Chaos

Per Definition sei deshalb „SmartHome“ das vollautomatisierte Wohnen, so die Autoren. Die ursprüngliche Idee dazu stamme aus der funktionalen Industrieproduktion. Aber das private Leben und Wohnen folge ganz anderen Gesetzen als die moderne industrielle Produktion. Vor allem werde das individuelle Wohnen nicht nur von Funktionen und Gesetzen, sondern in hohem Maße auch vom lebendigen Durcheinander bestimmt!

„Leben ist Chaos. Leben ist Störung. Und vor allem: Menschliche Beziehung. Wer einen lebendigen Haushalt betritt, findet ein kreatives Durcheinander vor, das vor allem durch eines geprägt ist: menschliche Kommunikation. Die spiegelt sich im Kampf um Ordnung und Unordnung, im Gestaltungskrieg von Räumen und Möbeln, besonders im Kochen. Lebendiges Wohnen heißt, dass wir uns mit dem Anderen und der Umwelt beschäftigen. Auch dass es Nachbarn gibt, Lärm, Verhandlung, unscharfe Zonen, in denen Privates und Öffentliches nicht klar zu trennen sind. Die Sicherheit des Heims entsteht in der unvermeidlichen Unsicherheit des Sozialen.“

Lebendige Beziehungen statt Automatisierung

Und dieses „pralle Leben“ soll uns das SmartHome vom Leibe halten? - fragen die Autoren. Das ganze Konzept weise einen grundlegenden Fehler auf: In der industriellen Fabrik sei die Automatisierung ein Segen, weil sie monotone und stupide Arbeit vermeide und Güter kostengünstiger produziere. Die Wohnung hingegen sei ein Ort der Entschleunigung, der uns aber gleichzeitig in Bewegung halten müsse. „Ein Kaminfeuer, bei dem man die Scheite selbst gehackt hat und nachlegen muss, wird immer die automatische Lichtfarbsteuerung schlagen“…

Das wirklich „smarte“ Haus der Zukunft werde daher all die schlauen Geräte für mehr Sicherheit und Komfort einbetten in den Kontext des Lebendigen, Natürlichen: „Smartness wird sich definieren als soziale, architektonische und ästhetische Intelligenz.“ Lebendige Beziehungen zwischen Menschen und der Wandel der Lebensformen werden im Zentrum künftiger Wohnformen stehen, nicht die Automatisierung. „In den Häusern der Zukunft wird es darum gehen, ob man darin tanzen kann.“

Bisherige Artikel zu der Studie:

Nachruf Max Mustermann

Boudoir

Altenheim? Nein,danke

Gemeinsames Kochen und Essen ist weitaus wertvoller als das Fertiggericht aus der Mikrowelle… oder aus dem Replikator, wie bei Startrek.
Quelle: Martin
Gemeinsames Kochen und Essen ist weitaus wertvoller als das Fertiggericht aus der Mikrowelle… oder aus dem Replikator, wie bei Startrek.

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