Ist das Umweltbewusstsein – oder nur stumpfe ideologische Manipulation?

„Repräsentative Umfragen“ sind in unseren postfaktischen Zeiten etwas Wunderbares. Schwarz auf weiß wird damit in dezidierten Prozentzahlen (die Wahrhaftigkeit bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma versprechen), nachgewiesen, was es nachzuweisen gilt.

Ganz vorn dabei ist bei sowas das Umweltbundesamt (UBA). Das hat jetzt gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BUMB) die „Umweltbewusstseinsstudie 2016“ herausgegeben. Mit knallharten Ergebnissen:

„Eine große Mehrheit der Deutschen will nicht mehr so stark auf das Auto angewiesen sein“ lautet eine Conclusio. „91 Prozent der Befragten sagen demnach, dass das Leben besser werde, wenn der oder die Einzelne nicht mehr auf das Auto angewiesen ist“ eine weitere. Das ist doch endlich einmal ein Statement! (s. Grafik)

Und jetzt (auch im Wortlaut), die Frage, die zu diesen Einsichten führte: „Wie viel kann die Idee, Städte und Gemeinden so zu gestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist, für Sie persönlich zu einem guten Leben beitragen?“

Haben Sie das verstanden? Nein? Dann lesen Sie das doch bitte noch mal. Wieder nicht verstanden? Macht nichts. Wenn Ihnen das ein umweltbewusster Ideologe nur lange genug erklärt und für seine Statistik interpretiert, kommt auch bei Ihnen garantiert genau das raus, was Sie oben als Ergebnis gelesen haben.

Vor allem, wenn die gummihafte „etwas“-Bewertung der grünen Überzeugungskraft halber gleich dem zweifellos treffenderen „sehr viel“ zugeschlagen wird. Denn wer „etwas“ sagt, der meint ja eigentlich auch „ganz viel“, ganz tief drinnen in seinem kleinen Herzen – oder wie ist das bei Ihnen? Darf es „etwas“ mehr sein, an der Wursttheke? Aber klar, ich nehme gerne noch ein halbes Kilo mehr von der leckeren veganen Blutwurst. Auch wenn mir die bestellten 125 Gramm eigentlich schon viel zu viel sind…

Diese „schlanke Ergebnis-Zusammenfassung“ war aber wohl zwingend und dringend notwendig. Denn ohne politische Scheuklappen hätte man andernfalls ja auch auswerten können: „Für fast 50 Prozent der Bevölkerung trägt die autofreiere Stadt eher NICHT zum guten Leben bei“ respektive „für knapp 60 Prozent der Bürger ist eine autofreiere Umgestaltung der eigenen Stadt oder Gemeinde eher nicht wünschenswert“.

In den vergangenen Wochen, nach der Trump-Wahl, ist eine Menge über „Fake-News“ gesprochen und geschrieben worden. Der frisch gewählte US-Präsident hat den Begriff gejazzt und treibt damit die etablierten Medien vor sich her. Wenn ich „repräsentative Umfragen“ wie die von UBA und BUMB lese, weiß ich nicht, was schlimmer ist: dass es solche staatlich finanzierten Umfragen mit ihren ziel-orientierten Interpretationen gibt, oder dass die etablierten Medien (natürlich) über derartig Ergebnisse berichten, auch wenn die gezogenen Schlüsse bei näherer Betrachtung noch so krude sein mögen.

Man nehme eine verschwurbelte Fragestellung, ziehe die beiden größten Werte zusammen, reduziere die Komplexität der Aussage und komme dann zu der Conclusio: „Besser leben in Städten und Gemeinden mit weniger Autos“. Wer jetzt glaubt, dass das faktisch-wissenschaftlich nicht haltbar ist: Nee, ist es auch nicht. Ist nur (Umwelt)Politik…
Quelle: BUMB-Umweltbewusstseinsstudie 2016
Man nehme eine verschwurbelte Fragestellung, ziehe die beiden größten Werte zusammen, reduziere die Komplexität der Aussage und komme dann zu der Conclusio: „Besser leben in Städten und Gemeinden mit weniger Autos“. Wer jetzt glaubt, dass das faktisch-wissenschaftlich nicht haltbar ist: Nee, ist es auch nicht. Ist nur (Umwelt)Politik…

Mittwoch, 12.04.2017

Eckhard Martin
Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal