ISH 2017: Pumpen, Pumpen, Pumpen – mit (wie) viel Entwicklungspotenzial?

Die Pumpen-Welt ist im Umbruch. Denn eigentlich geht nichts ohne sie, in der Gebäudetechnik. Aber zugleich sind sie als „Energiefresser“ verschrien, die – weil (siehe oben) unverzichtbar – immer effizienter und damit energiesparender werden müssen. Aber wie das Ziel erreichen? Die ISH bot Gelegenheit zum Überblick, was sich so in diesem Marktsegment tut.

Um es vorweg zu nehmen: Es tut sich so Einiges. Wobei die Bandbreite dessen, was präsentiert wurde, mehr als beachtlich war. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren unterschieden sich die Entwicklungssprünge der einzelnen Hersteller diesmal doch beträchtlich:

Energieeffizienz? Scheint mittlerweile so etwas wie ein Hygienefaktor geworden zu sein. 2015 noch groß plakatiert, sind Standards auf dem Niveau IE5 zwischenzeitlich in der Breite erreicht – zur Differenzierung wird jetzt mehr und mehr auf den Gesamtwirkungsgrad der Pumpe verwiesen – integriert in die Gesamtin­stallation und beispielsweise unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades im zumeist gefahrenen Teillastbetrieb.

Elektronik? Ist eine Frage der Definition. Da gibt es die einen, vor allem die großen Player, die alle Register ziehen. Modular aufgebaute Mini-Schaltschränke zieren bei ihnen neuerdings die Pumpenfront; mit Dreh-/Klickknöpfen, um die verschiedenen Einstellebenen zu erreichen. Oder es gibt Schnittstellen oder Dongle, mit denen Kommunikationsfähigkeit hergestellt wird; online oder per App – Hightech im Heizungskeller, um Wasser warm oder kalt mit möglichst geringem Energieaufwand prinzipiell 24 Stunden am Tag im Kreis zu befördern.

Die ISH 2017 war ein hervorragender
Indikator für die aktuelle
Lage in der Pumpen-Welt, denn
wohl selten zuvor hat sich dieses
Marktsegment so bi-polar präsentiert.
Quelle: Messe Frankfurt Exhibition GmbH, Pietro Sutera
Die ISH 2017 war ein hervorragender Indikator für die aktuelle Lage in der Pumpen-Welt, denn wohl selten zuvor hat sich dieses Marktsegment so bi-polar präsentiert.

Dass es, speziell kleinere, Wettbewerber gibt, die ihre Strategie fast schon widerborstig genau gegenteilig aufgesetzt und sich dezidiert dieser Kernaufgabe des „Wasserbeförderns“ verschrieben haben, also ohne aufwändige Bit und Byte-Begleitung – es mutet in einer streckenweise schon übertechnisierten erscheinenden Welt fast schon rührend an. Wer das so bewertet, irrt allerdings, denn dahinter steckt handfestes Kalkül. Nämlich das Werben um die Handwerkskunden, die ohne viel Wenn und Aber die alte Pumpe gegen eine neue austauschen möchten. Und zwar egal wo. Im Einfamilienhaus genauso wie im kleinen Gewerbebetrieb, im Industrieunternehmen genauso wie im Geschosswohnungsbau. Schnell soll das funktionieren, reibungslos, gerne mit der unbedingt notwendigen Elektronik und einem Steuerimpuls – aber das soll es dann auch schon gewesen sein. Highend-Elektronik, noch ein paar Prozentpunkte Energieeinsparung oder Fernauslesen, darum können und sollen sich andere kümmern. Hauptsache, die Heizungs- oder Trinkwasser-Anlage funktioniert wieder.

Gebäudeautomation? Ist als drittes entscheidendes Stichwort rund um Pumpen und ISH 2017 genauso ­facettenreich. Die eine Hälfte der Hersteller zieht alle Register, rüstet ihre Pumpen gegebenenfalls sogar modular so passgenau aus, dass es kaum eine GA-Struktur gibt, in die sich die Pumpen nicht einbinden lässt. Und die andere Hälfte? Die lässt es vielleicht genug sein mit dem potenzialfreien Anschluss und setzt auf einfachste Konnektivität über irgendwelche anerkannten Home Server-Lösungen, die nach dem Plug´n play-Prinzip arbeiten.

Das Ergebnis? Positiv betrachtet: Jeder Fachhandwerker findet im aktuellen Pumpenmarkt genau die Lösung, die auf seine aktuelle Aufgabenstellung genauso präzise passt wie auf seine eigene geistige Grundhaltung. Der „Fortschrittsgläubige“ genauso wie der Anhänger der „Das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Ideologie. Kritischer formuliert: Im Pumpenmarkt trennt sich momentan die Spreu vom Weizen. Entwicklungssprünge jenseits der originären Mechanik werden augenscheinlich immer komplexer und aufwändiger – man kann auch sagen: teurer –, so dass für die Zukunftssicherung des einzelnen Herstellers strategisch zwingend notwendige Technologien schlichtweg nicht mehr jedem zur Verfügung oder zumindest offen stehen. Die Zahl der Namen, die hinter vorgehaltener Hand als Übernahmekandidaten gehandelt werden, bestätigt das im Übrigen genauso wie die in den vergangenen Monaten bereits abgewickelten Akquisitionen.

Bewegung ist also garantiert genug im Pumpen-Markt… Aber jetzt geht der Blick erst einmal aufs Hier und Heute; oder besser auf das „Gestern“ der ISH 2017.

Mittwoch, 17.05.2017