Ich bestelle hier was für mein neues Bad. Und da. Und dort. Und DHL baut alles auf

Früher war alles besser. Sagt der Opa. Oder der Verbandsfürst aus dem Gestrigen. Ich kann das nicht beurteilen. So alt bin ich nun auch wieder nicht. Aber Fakt ist in postfaktischen Zeiten: Früher war manches klarer.

Der Maurer mauerte, der Schreiner schreinerte, der Klempner lötete, und beim Kaffeeröster gab es weder Kleinflugzeuge noch Unterwäsche. Vulgo: Jeder machte das, was er konnte. Das aber möglichst gut. Core competence hieß das später auf Neudeutsch – doch zeitgleich mit dem Denglish-Sprech brach die Phase an, in der diese Kernkompetenzen immer stärker in den Hintergrund traten und die über den Tellerrand hinaus blickende, vermeintliche Geschäftstüchtigkeit zu immer neuen Stilblüten führte.

Der Möbelplaner für den zentimetergenauen Schrankbau im Internet, die neue Heizungsanlage ebenda, das Komplettbad tatsächlich komplett oder zumindest in Teilen von Online – vor allem der E-Commerce trieb die Entwicklung in Kombination mit flexiblen Logistiklösungen zügig voran. Und jetzt werfen eben diese Logistiker, die die letzte Meile recht gut beherrschen – in persona: DHL –, eine weitere Serviceleistung in den Wettbewerbsring: die Küchenmontage: „…und bieten damit sowohl Onlinehändlern als auch stationären Möbeln- und Küchenhäusern … ein bundesweites Rund-um-sorglos-Paket von der Lieferung der bestellten Küche bis hin zur gebrauchsfertigen Montage beim Endkunden.“ (Zitat Ende)

Darauf hat die Einrichtungswelt zweifellos gewartet. Genau wie die SHK-Branche, denn der nächste Schritt zur Badmontage ist nicht wirklich viel weiter. Auch wenn einige der Branchen-Granden, die ich darauf ansprach, salopp abwinkten. Dafür, sagen sie (noch), ist eine Badmontage viel zu komplex. Wirklich?

Der Küchenbauer meines Vertrauens aus dem örtlichen Einzelhandel würde vermutlich dasselbe sagen, auf sein Gewerk bezogen. Aber der redet, genau wie meine Gesprächspartner, dabei über ein gewisses Leistungsniveau. Das macht aber nicht die Masse der neuen Küchen oder Bäder in D aus. Die Masse sind absoluter Durchschnitt. Mit irgendwas zwischen 8 und 10 Quadratmeter Fläche, einem Waschtisch, einer Wanne oder Dusche und einer Toilette. Und wenn es hoch kommt, vielleicht noch einem Möbel. Dazu zwei Handtuchhaken, eine Duschstange, ein Halter für das Klopapier. Aber das war´s. Nicht mehr, nicht weniger.

Und das soll kein erweiterter DHL-2-Mann-Handling-Service ausstatten, montieren können, wenn bauseits die fliesenglatten Wände und Böden mit den notwendigen Anschlüssen gestellt werden? Machen wir uns nichts vor: So schwierig ist das dann nicht mehr.

Vor allem, weil DHL sein Handwerk augenscheinlich beherrscht: die Lieferung an einen wohnortnahen DHL-Standort, die Logistik mit Bündelung verschiedener Lieferungen, die Zusammenstellung der Auslieferung oder, wenn der Bau nicht fertig wird, bei Bedarf die Einlagerung – „Der Versender kann somit auf eine eigene Lagerhaltung und das entsprechende Fullfilment verzichten“, bewirbt DHL die Leistung vor der Montageleistung, die letztlich mit einer umfangreichen Dokumentation inklusive Bildmaterial und Montageberichten abgerundet werde. Das kann im Bad nicht klappen? Das geht gar nicht? Da wäre ich mir mal nicht ganz so sicher. In wie weit das dann fachgerecht wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber der Ab- und Umsatz, der ist in einer weiteren „Qualitätsstufe“ weg…

Wer weiß, wie´s wird – auf dem stillen Örtchen, wenn das Bad künftig nicht mehr vom Profi, sondern vom transportlogistischen Montageservice zusammengedengelt wird? Zumindest in einem Fall wie diesem darf man dann übrigens die Miete kürzen, berichtet der Infodienst Recht und Steuern der LBS. Die Gebrauchsfähigkeit des Bades sei erheblich eingeschränkt. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen 211 C 19/10) Dem, der für das Bad Geld ausgegeben hat, nutzt so eine Kürzung aber rein gar nichts.
Quelle: Tomicek LBS
Wer weiß, wie´s wird – auf dem stillen Örtchen, wenn das Bad künftig nicht mehr vom Profi, sondern vom transportlogistischen Montageservice zusammengedengelt wird? Zumindest in einem Fall wie diesem darf man dann übrigens die Miete kürzen, berichtet der Infodienst Recht und Steuern der LBS. Die Gebrauchsfähigkeit des Bades sei erheblich eingeschränkt. (Amtsgericht Köln, Aktenzeichen 211 C 19/10) Dem, der für das Bad Geld ausgegeben hat, nutzt so eine Kürzung aber rein gar nichts.

Donnerstag, 02.02.2017

Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal