Factoring - attraktiv auch für das Handwerk?

Branche auf Wachstumskurs

Lieferantenkredit und Kontokorrent werden gerne zur Unternehmens-Finanzierung genutzt. Als „Herausforderer“ dieser etablierten Säulen der Kapitalbeschaffung tritt mehr und mehr das „Factoring“ auf den Plan: Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen nutzen vermehrt diese Art der Finanzierung.

Wachstum im achten Jahr in Folge – allein im letzten Jahr um 7,2 Prozent – und vor allem: 33 Prozent mehr Kunden! Das klingt nach einer starken Wirtschaftsbranche. Diese Zahlen wurden im Forderungsverkauf erwirtschaftet, im Faktorgeschäft – besser bekannt auf denglisch: „Factoring“. Joachim Secker, Sprecher des Deutschen Factoring-Verbandes e.V., präsentierte kürzlich diese Ergebnisse. Dabei betonte er die große Bedeutung dieser Form der Unternehmensfinanzierung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU): 93 Prozent aller Factoring-Kunden (bis 10 Millionen Euro Umsatz) finden sich in diesem Unternehmenssegment. Das zeige die solide Etablierung des Factoring als Standbein der KMU-Finanzierung, so Secker.

Was genau ist nun Factoring und – vor allem – ist diese Form der Finanzierung für das Otto-Normal-Handwerksunternehmen überhaupt interessant? Wie das SanitärJournal hier berichtete, sinkt zwar die Insolvenzquote in allen Branchen kontinuierlich. Speziell im Baugewerbe liegt sie jedoch nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt. Ein gravierender Grund: Die schlechte Zahlungsmoral der Kundschaft. Zumindest dieser Form des pleitegehens kann Factoring vorbeugen.

Factoring als eine Säule der Unternehmensfinanzierung ist inzwischen auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Handwerker attraktiv.
Quelle: pexels
Factoring als eine Säule der Unternehmensfinanzierung ist inzwischen auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Handwerker attraktiv.

Lukrativer „Dreier“ für alle Beteiligten

Was also liegt näher, aus Sicht des Handwerkers, als nach erbrachter Leistung die daraus resultierende Forderung an ein Factoring-Unternehmen, auch Faktor genannt, abzutreten? Innerhalb von 24 Stunden verfügt er über 80 bis 90 Prozent der Forderung, der Rest folgt nach Zahlungseingang, abzüglich der zwei bis fünf Prozent der fälligen Gebühren - der „Lohn“ für den Faktor. Die so deutlich erhöhte eigene Liquidität nützt dem Handwerker in vielerlei Hinsicht. Er kann beispielsweise bei seinen Lieferanten Skonto ziehen. Als liquider Schnell-Zahler verbessert er so Ruf und Position nicht nur beim Großhändler, sondern auch bei der Hausbank.

Vor allem jedoch wird die hohe Kostenersparnis durch Skontierung oftmals unterschätzt: Zwei Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von vierzehn Tagen – das entspricht einem Zinssatz von rund 45 Prozent im Jahr! Der Lieferantenkredit ist somit eine der teuersten Arten der Unternehmensfinanzierung. Ein weitere Vorteil des Factoring: der Handwerker kann seinem Kunden wiederum ein längeres, komfortableres Zahlungsziel einräumen. So ziehen alle Beteiligten, Handwerker, Kunde und Faktor, aus diesem „Dreiecks-Handel“ ihren Vorteil.

Nicht zu verachten ist zudem der „Heimvorteil“ für den Handwerker: Nach getaner Arbeit, im trauten Heim, braucht er sich nicht noch um sein Forderungsmanagement zu kümmern oder sich mit säumigen Zahlern rumzuärgern…

Quelle: Bundesverband deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU)

Factoring für alle!

Früher verhinderten allzu große Umsatzerwartungen ein Engagement der Factoring-Unternehmen im Handwerk. Die untere Schwelle liegt derzeit bei einem Minimum von rund 100.000 Euro Umsatz pro Jahr. Inzwischen kaufen spezialisierte Faktoren beispielsweise auch Forderungen aus Leistungen nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) oder aus Aufträgen von privaten Kunden. So kann heutzutage auch das Handwerk diese Form der Unternehmensfinanzierung nutzen. Ob Factoring jedoch, nicht zuletzt angesichts des niedrigen Zinsniveaus, beispielsweise besser ist als eine Kontokorrent-Finanzierung, gilt es allerdings nach wie vor individuell zu prüfen.

Mittwoch, 11.07.2018