Extremwetter als „extreme“ Herausforderung für Wasserwirtschaft

Zusammenhang von Erderwärmung und Dürreperioden jetzt nachweisbar

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte verringert sich das Wasserangebot in Deutschland um bis zu 60 Prozent – wegen häufigerer und längerer Hitzeperioden. Wird das Extremjahr 2018 zum neuen „Normal“-Jahr?

Quelle: Martin
2018 war ein extremes Dürrejahr; das Wasserangebot wurde knapp. Tendenz: Es wird noch schlimmer…

Das es weltweit wärmer wird, seit Beginn der Industrialisierung, steht außer Frage. Ob extreme Wetterereignisse wie Starkregen oder Dürreperioden als Folge des Klimawandels häufiger und stärker auftreten, wurde zwar vermutet, jedoch nicht streng wissenschaftlich nachgewiesen. Inzwischen jedoch lässt sich diese spannende Frage beantworten, laut Deutschem Wetterdienst (DWD). Nämlich mit der jungen wissenschaftlichen Methode der Extremwetterattribution. Die ermöglicht den simulierten Vergleich zweier klimatischer Situationen – einmal ohne und einmal mit menschlicher Beeinflussung durch die Emission von Treibhausgasen.

Quelle: DWD
Deutschland erwärmt sich sogar schneller als der Rest der Welt. Eine Folge: Häufigere und lang anhaltende Dürreperioden – was sich jetzt mit der Methode der Wetterattribution wissenschaftlich vorhersagen lässt.

Für Deutschland lassen sich mit dieser Analyse großräumige Extremniederschläge, Hitze- und Kältewellen sowie Dürren bewerten, die sich über mehrere Bundesländer erstrecken, so der DWD. „Ein erfolgreiches Beispiel ist die langanhaltende Dürre im Nordosten Deutschlands im Jahr 2018. Ein solches Ereignis hatte es in den vergangenen 140 Jahren dort noch nicht gegeben, wie ein Blick in das Archiv des DWD zeigt. Die Attributionsanalyse ergebe nun, dass sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für derart starke Dürren in der Region mindestens verdoppelt hat und dass zugleich deren Intensität zunimmt. Das ist ein alarmierender Hinweis für die Land- und Forstwirtschaft in dieser Region“, erläutert Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD.

Quelle: DWD/DVGW
Das außergewöhnliche trockene und heiße Jahr 2018 könnte das neue „normal“ werden, befürchten Klima-Pessimisten…

Und für die Wasserwirtschaft. Denn gerade das Trockenjahr 2018 belastete die Trinkwasseranlagen und -netze teilweise über Monate bis an die Grenzen ihrer Kapazitätsgrenzen. Für die Jahre ab 2030 entwirft der Deutsche Verein der Gas- und Wasserwirtschaft (DVGW) diese Szenarien:

  • Längere und häufigere Hitze- und Trockenperioden steigern den Wasserbedarf der Trinkwasserversorgung, aber auch andere Nutzer wie der Landwirtschaft.

  • Wassernutzungskonkurrenzen werden sich deutlich verschärfen und müssen geklärt werden.

  • Das nutzbare Wasserdargebot verringert sich über alle Ressourcen hinweg um 30 bis 60 Prozent.

  • Bis 2100 rechnet der DWD mit einer Reduzierung des klimatischen Wasserbilanzüberschusses um zwei Drittel.

Quelle: DVGW/Statistisches Bundesamt
Die Wasserverluste (2016) sagen etwas über den Zustand der Trinkwasserversorgung aus.

Wolf Merkel, Vorstand Wasser im Deutschen Verein der Gas- und Wasserwirtschaft (DVGW), zu dem brisanten Thema: „Der Klimawandel mit ausgeprägten Hitze- und Dürreperioden lässt verfügbare Wasserressourcen knapper werden – bei gleichzeitig steigendem Wasserverbrauch. Um auf diese Stresssituationen gut vorbereitet zu sein, muss die Politik den gesetzlich verankerten Vorrang der Trinkwasserversorgung vor allen anderen Nutzungen noch konsequenter durchsetzen.“ Und weiter: „Zugleich muss die Versorgung wichtiger Abnehmer angepasst werde, etwa mit Hilfe der Wiederverwendung von Wasser für die Industrie oder dem Einsatz wassersparender Beregnungstechniken in der Agrarwirtschaft. Derartige Ansätze tragen zur Schonung der wertvollen Trinkwasserressourcen bei und sind bedeutende Fortschritte auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft in Zeiten des Klimawandels.“

Quelle: DVGW
So sollte, laut DVGW, der systematische Ansatz für die generationenübergreifende Instandhaltung der Versorgungsinfrastruktur aussehen

Mittwoch, 05.05.2021

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