Erst Corona, dann kein Material, jetzt ganz hohe Preise...

Es ist fast unfassbar: Da hat die Branche fast ein­einhalb Jahre „Corona“ nahezu problemlos abgeritten, die Umsatzzahlen sind trotz Lockdown und Homeoffice bei den Herstellern in der Branche teilweise durch die Decke gegangen, und jetzt bremsen uns der Materialmangel bzw. die Materialpreise so brutal aus...

Die Zukunft des Bau-Booms in Deutschland, nachdem erst Corona, dann der Materialengpass, dann die Preissteigerungen und dann der Fachhandwerkermangel darüber hinweg gezogen sind?
Quelle: Martin
Die Zukunft des Bau-Booms in Deutschland, nachdem erst Corona, dann der Materialengpass, dann die Preissteigerungen und dann der Fachhandwerkermangel darüber hinweg gezogen sind?

Hat´s einer kommen sehen? Wer jetzt mit breiter Brust selbstbewusst „hier!“ schreit: Nach dem Kirchgang ist der Bauer immer schlauer, weiß der Volksmund. Und da ist was Wahres dran, denn wenn man im (Trash)TV oder wo auch immer aktuell den Analysten lauscht, die über Corona-bedingt gewissermaßen „posthum“ unterbrochene Lieferketten schwadronieren, über die Spätfolgen von vor Wochen liegen gebliebenen Containerschiffen im Suezkanal oder vom Einkaufshunger der konjunkturboomenden Chinesen / Amerikaner / Kanadier oder Wer-auch-immer (Nichtzutreffendes bitte streichen!), wird recht schnell deutlich: Wir haben hier eine extrem komplexe Gemengelage mit unterschiedlichsten Einflussfaktoren, zudem mit ungeahnten Wechselbeziehungen, so dass sich die streckenweise bedrohliche Versorgungslage auf den Baustellen im Lande einer schnellen, noch mehr aber einer populistischen Ursachenforschung quasi von selber entzieht.

Ein typisches Beispiel, wenn auch für die SHK-ler randständig: das Bauholz. Landauf, landab, im Lande des Chronisten aber ganz besonders, sorgt der Borkenkäfer für nie dagewesene Holzmengen und entsprechend kahlgeschlagene Berghänge. Die Waldbauern weinen ob der unterirdisch schlechten Erlöse dafür – und der Zimmerer ein Örtchen weiter hat keine Idee, wie er die im Großhandel nicht verfügbaren oder um teilweise 200 bis 300 Prozent (!!) teurer gewordenen Dachlatten noch seinem Bauherrn erklären soll...

Bei Stahl und Dämmstoffen und Halbleitern sieht es kaum anders aus: Der Bau ist fertig, aber kann nicht abgeschlossen werden, weil die Dämmschläuche für die Rohrleitungen fehlen. Oder die kilometerweise benötigten „Strippen“ für die Elektrifizierung der Werkshalle. Oder sogar der Sensor für den liegengebliebenen Sattelauflieger, was für eine weitere Verzögerung sorgt – und dann wird die Luft irgendwann richtig dünn... Vor Ort, auf den Baustellen, im Gespräch mit dem Endkunden.

Wenn´s der Fachmann mangels Zeit, oder wegen zu hoher Kosten, oder fehlenden Materials auf der Baustelle nicht richten kann, dann behilft sich der findige Häuslebauer doch einfach selbst; mit einem Stück Leine...
Quelle: Martin
Wenn´s der Fachmann mangels Zeit, oder wegen zu hoher Kosten, oder fehlenden Materials auf der Baustelle nicht richten kann, dann behilft sich der findige Häuslebauer doch einfach selbst; mit einem Stück Leine...

Wie sieht´s denn aus, vor Ort?

Wie es denn tatsächlich aussieht, bei den entscheidenden Herstellern unserer Branche? Die Redaktion des SanitärJournals hat sich dazu mal umgetan und ein paar Antworten eingesammelt, auf folgende Fragen:

  • Inwieweit ist Ihr Haus von den aktuell teilweise drastischen Preissteigerungen betroffen?

  • Welche Produktgruppen betrifft dies insbesondere?

  • Inwieweit können Sie die Preissteigerungen an die Kunden aus Fachgroßhandel bzw. -handwerk weiterreichen, und

  • Wie ist es vor dem Hintergrund auch von Materialknappheit mit der Lieferfähigkeit in ihren Hauptproduktgruppen bestellt?

Die Antworten fielen, nicht wirklich überraschend, zum einen denkbar unterschiedlich, zum anderen überdurchschnittlich häufig ausgesprochen ausweichend aus: „Mit dieser E-Mail möchten wir Sie informieren, dass wir seitens XYZ (Anm.: Name von der Redaktion weggelassen) aus internen Gründen keine Stellungnahme abgeben werden“ oder „Wir von XYZ besprechen diese Themen partnerschaftlich im direkten Kundengespräch und möchten daher ungern in Veröffentlichungen dazu Stellung nehmen“, sind dabei prototypische Formulierungen für die Fraktion derer, denen vor allem die Preissteigerungen bei Stahl (18 - 20 Prozent binnen drei Monaten laut René Hagemann-Miksits, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie) oder Kunststoffgranulaten (je nach Sorte zwischen 20 und 50 Prozent teurer als zu Jahresbeginn, laut Branchendienst KI – Kunststoff Information) ins Kontor geschlagen haben. Aber immerhin, die haben geantwortet. Andere, namhafte Branchenteilnehmer mit durchaus signifikanten Marktanteilen in einzelnen Produktgruppen hüllten sich sogar ganz in Schweigen. Was bei „nicht lieferfähig bis Ende September“ (bei einem Standard-Ausstattungselement fürs Bad, wird kolportiert) aber irgendwie auch verständlich ist...

Mittwoch, 25.08.2021

Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal
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