Erhöhte Schallschutzanforderungen nach DIN 4109

Mit Einführung der Muster Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) seit Ende 2017 in den Landesbauordnungen gelten mittlerweile in vier Bundesländern die neuen Schallschutzanforderungen der DIN 4109. Und zwar nicht mehr aus dem Jahre 1989, sondern dem Stand der Technik angepasst von 2016 beziehungsweise 2018.

In Abstimmung mit dem Bauherrn können über die VDI-Richtlinie 4100:2012-10 Kennwerte vereinbart werden, die den Bedürfnissen nach noch höherem Schallschutz entsprechen – und die mit der aktuellen Bautechnik ohne größeren Mehraufwand erbracht werden können. Bei der Auswahl von Vorwandsystemen sind dazu beispielsweise die entsprechenden Herstellerangaben zu den Schalldämm- beziehungsweise Schallschutzwerten der diversen Systeme sowie die zugehörigen Einbauvorschriften zu beachten.

Zu komfortablen Bädern gehört heute immer auch ein angemessener Schallschutz; gegenüber fremden Räumen ohnehin, aber mittlerweile immer öfter auch gegen eigengenutzte.
Quelle: Viega
Zu komfortablen Bädern gehört heute immer auch ein angemessener Schallschutz; gegenüber fremden Räumen ohnehin, aber mittlerweile immer öfter auch gegen eigengenutzte.

Lärm kann krank machen, denn evolutionsbedingt schüttet der Körper bei plötzlichen oder lauten Geräuschen besonders viele Stresshormone aus. Das greift vor allem das Herz und die Blutgefäße an. Dabei ist es nicht allein der Straßenlärm, von dem sich jeder zweite Bundesbürger belästigt fühlt (Quelle: Umweltbundesamt). Mindestens ebenso belastend sind die vielen kleinen, alltäglichen Geräuschquellen, die als „störend“ wahrgenommen werden – und dann das Wohlbefinden beeinträchtigen. Der bewusste, aktive Besuch in einem vergleichsweise lauten Konzert oder in einer Diskothek ist so zum Beispiel auch „angenehm“, der tropfende Wasserhahn hingegen „nervt“: „Deshalb ist Lärm schwer mit Schallpegel gleichzusetzen. Es ist eher so dieser Störeffekt“, beschreibt Dr. Dorothee Twardella vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einem Interview des Bayerischen Rundfunks den Effekt.

Nach VDI 4100 zählen mittlerweile auch Badezimmer ab 8 m² Grundfläche zu den schallschutzbedürftigen Räumen, damit hier Vertraulichkeit und Intimität gewahrt bleiben.
Quelle: Viega
Nach VDI 4100 zählen mittlerweile auch Badezimmer ab 8 m² Grundfläche zu den schallschutzbedürftigen Räumen, damit hier Vertraulichkeit und Intimität gewahrt bleiben.

Damit Lärm in Wohnungen keine gesundheitlichen Schäden verursacht, sind in der DIN 4109:2016 „Schallschutz im Hochbau“ bauaufsichtlich verbindliche Mindestanforderungen festgelegt. Allerdings macht die Norm kaum Angaben zu erhöhten Anforderungen an den Schallschutz, die mit den gängigen Baumaterialien und -verfahren erreicht werden können. Der erhöhte Schallschutz ist aber ein zentrales Qualitätsmerkmal des sogenannten Komfort-Wohnens, mit dem höherwertige Immobilien gerne beworben werden. Mit der VDI 4100:2012-10 „Schallschutz im Hochbau – Wohnungen – Beurteilung und Vorschläge für erhöhten Schallschutz“ steht hier ein weiterhin aktuelles Werk zur Verfügung, mit dem erhöhte Anforderungen an den Schallschutz praxisgerecht umgesetzt werden können – wenn es zwischen dem Bauherrn und dem Auftragnehmer entsprechend vereinbart wird!

Die VDI 4100:2012-10 richtet sich dabei sowohl an Planer und Architekten wie an ausführende Firmen, Bauherrn und Eigentümer, aber auch Nutzer und Betreiber oder Verwalter „von Gebäuden mit Wohnungen und wohnungsähnlichen Räumen mit den darin befindlichen Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA-Anlagen).“ Ihr Ziel ist „der Schallschutz im Wohnungsbau, da Wohnungen den Menschen zur Entspannung und zum Ausruhen dienen sollen und die Privat- und Intimsphäre des eigenen Bereichs gewährleistet sein soll.“ Ebenso wichtig ist der Schallschutz aus Sicht der Verfasser auch in Gebäuden, die wohnungsgleich oder wohnungs-ähnlich genutzt werden, zum Beispiel Altenwohnheime, Studentenwohnheime, Gebäude für betreutes Wohnen und Pflegeheime.“

Für gängige Vorwandsysteme – wie „Viega Eco Plus“ – bieten die Hersteller schalltechnische Prüfzeugnisse.
Quelle: Viega
Für gängige Vorwandsysteme – wie „Viega Eco Plus“ – bieten die Hersteller schalltechnische Prüfzeugnisse.

Für Einfamilien-Doppelhäuser und Einfamilien-Reihenhäuser werden deutlich höhere Schallschutzwerte verlangt als bei Mehrfamilienhäusern. Die Gründe liegen sowohl an der höheren Erwartungshaltung bezüglich der Wahrnehmung von Geräuschen aus benachbarten Häusern als auch in dem Anspruch auf eine höhere Vertraulichkeit.

• SSt I: Angehobene Sprache ist aus fremden Nachbarräumen im Allgemeinen kaum zu verstehen. Unzumutbare Belästigungen aus gebäudetechnischen Anlagen werden im Allgemeinen vermieden.

• SSt II: Angehobene Sprache aus fremden Räumen ist in der Regel wahrzunehmen, aber nicht zu verstehen. Geräusche aus gebäudetechnischen Anlagen sind im Allgemeinen nicht störend.

• SSt III: Angehobene Sprache aus fremden Nachbarräumen ist nicht zu verstehen. Geräusche aus gebäudetechnischen Anlagen sind nicht oder nur selten störend.

Donnerstag, 09.08.2018

Von Markus Berger
Sachverständiger für baulichen und gebäudetechnischen Brandschutz (EIPOS), Leiter des Kompetenzbereichs Brandschutz Viega GmbH & Co. KG