Empfiehlt Experte Rückkehr zum Familien-Wannenbad?

Diskussion um Wasserenthärtung

Es regnet zu wenig. Die Reaktion darauf treibt Blüten: „Hauptsache Schlagzeile“, scheint dabei das Motto vieler „Experten“ zu sein.

Irgendwo muss es, drängt sich der Eindruck auf, seit ein paar Jahren einen vergleichsweise kostengünstigen Studiengang geben. Und zwar den zum „Experten“. Also jene (wie auch immer) Sonderqualifizierten, die nach dem Aufpoppen eines Buzz-Words/Problems/Aufregers oder sonstigen Vorkommnisses sofort und fürderhin wochenlang in der Dutzendware der Fernseh-Diskussionsrunden herumgereicht oder – bevorzugt mit wehendem Rockschoß der laufenden Kamera und dem hingehaltenen Mikro entgegenstrebend – in einer Sondersendung der ARD nach der Tagesschau interviewt werden. Was die Experten dabei qualifiziert, ihre Expertise zum Listerienbefall in der Dauerwurst, zur gesundheitsgefährdenden Legionelle im Trinkwasser oder zum wegen der feinstaub-Luftverschmutzung abnehmenden Schimmer des Mondes über Wanne-Eickel mehr oder weniger profund abzugeben, erschließt sich zwar selbst auf den zweiten Blick oft nur selten – aber man bzw. er (nur selten ist es die „sie“) hat was gesagt und wird zumindest lautmalerisch wahrgenommen, auch wenn am Ende vermutlich kaum jemand tatsächlich zugehört hat.

Erst kommt die lange Dürre, also der wochenlange Regenmangel. Dann darf der Rasen nicht mehr gesprengt, das Auto nicht mehr gewaschen, das Wasser nicht mehr enthärtet werden – droht im Herbst wieder das Familien-Wannenbad? Horrorszenarien eines Experten…
Quelle: Vaillant
Erst kommt die lange Dürre, also der wochenlange Regenmangel. Dann darf der Rasen nicht mehr gesprengt, das Auto nicht mehr gewaschen, das Wasser nicht mehr enthärtet werden – droht im Herbst wieder das Familien-Wannenbad? Horrorszenarien eines Experten…

Und wenn, ist er ja auch selber schuld. Schließlich ist das Ganze gleichzeitig auch wieder irgendwie egal, weil spätestens morgen eine neue „Sau durchs Dorf getrieben“ und damit das Interesse am Neuen neu fokussiert wird – womit die Halbwertzeit des „Experten A“ im Übrigen dann ebenfalls abgelaufen ist.

Es sei denn – und jetzt kommt man auf des Pudels Kern bzw. auf eine wirkliche Härte –, es sei denn, es handelt sich um unser „Lebensmittel Nr. 1“; also das Trinkwasser. Trinkwasser ist wertvoll und knapp und muss von Haus aus und im Haus selbst, wird uns via Trinkwasserverordnung (TrinkwV) bereits seit 2001 eingetrichtert, bekanntermaßen „so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss genusstauglich und rein sein“.

Entsprechend hoch schlagen die Wogen, bei Trockenheit zumindest virtuell, wenn eben dieses Trinkwasser potentiell und möglicherweise nicht mehr in hinreichendem Maße zur Verfügung steht, weil es dafür über Monate oder gar Wochen am originär notwendigen Niederschlag mangelt. Wie im ersten Quartal dieses Jahres, als die Zeitung mit den vier großen Buchstaben textete: „Gerade mal ein Viertel des Jahres 2020 ist vorüber, schon schlagen Wasser- und Klima-Experten sowie Bauern Alarm. Es droht der dritte Dürresommer in Folge! Im April fielen bislang nur fünf (!) Prozent der normalen Niederschlagsmenge.“ So weit, so schlecht, das Ganze lässt sich statisch nachlesen, mithin verifizieren – doch die beliebten Experten sind ja zumindest sprachlich hier auch schon mal wieder untergebracht…

Das Schlusswort aber gebührte in diesem Kontext dann doch einem qualifizierteren Kollegen aus unserer Branche, nämlich dem ausgewiesenen Trinkwasser-Sachverständigen N.N.* (*Name der Redaktion bekannt), der sich zu den erwartbaren Konsequenzen zur noch gar nicht belastbar erwartbaren Dürre wie folgt zitieren ließ: „Zuerst wird es Verbote geben, den Rasen zu sprengen und Autos zu waschen. Danach wird man zum Beispiel auch verbieten, häusliche Enthärtungsanlagen zu betreiben. Denn diese verbrauchen Wasser zum Spülen.“

Auch eine Frage des guten Geschmacks: Weichwasseranlagen wie von „BWT water+more“ sind beispielsweise speziell für die Kaffee­zubereitung konzipiert und sorgen für eine ungehinderte Extraktion der über 800 Aromen der braunen Bohne, so der Hersteller. Der Kaffee schmeckt also so, wie er schmecken soll. Vollaromatisch und ohne unerwünschte Geruchs- oder Geschmacksnoten. Gleichzeitig gewähre die Wasseroptimierung exzellenten Maschinenschutz vor Kalk, Korrosion und Gipsbildung.
Quelle: BWT water+more
Auch eine Frage des guten Geschmacks: Weichwasseranlagen wie von „BWT water+more“ sind beispielsweise speziell für die Kaffee­zubereitung konzipiert und sorgen für eine ungehinderte Extraktion der über 800 Aromen der braunen Bohne, so der Hersteller. Der Kaffee schmeckt also so, wie er schmecken soll. Vollaromatisch und ohne unerwünschte Geruchs- oder Geschmacksnoten. Gleichzeitig gewähre die Wasseroptimierung exzellenten Maschinenschutz vor Kalk, Korrosion und Gipsbildung.

Das sagt, der guten Ordnung halber sei es wiederholt, der Trinkwasser-Sachverständige N.N.*. Was ihn veranlasste, an dieser Stelle die notwendige Spülung von Enthärtungsanlagen auf die gleiche Stufe zu stellen wie das Rasensprengen, erschließt sich zwar weder auf den ersten noch auf einen zweiten Blick. Außer möglicherweise der verbale Nachweis des Expertentums, denn als zweiten verschwenderischen Wasserverbraucher etwa das exzessive Gießen von Hortensien auf dem Süd-Balkon anzuprangern oder als dritten gar den häuslichen Mini-Pool für Jan-Luca (3) und Jacqueline (5) zu füllen – das hätte schließlich auch jedes wasserkundlich autodidaktisch-laienhaft ausgebildete Lieschen Müller hinbekommen… Aber „Enthärtungsanlage“ und „Spülen“ – erst eine solche technisch grundierte Wort- und Funktionskombination weist wohl den wahren Fachmann aus.

Donnerstag, 20.08.2020

Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal