Bei unseren Wohlstands-Öko-Menschenrechten ist ja jeder so ein kleiner Rebell, gell?

Ich gebe es zu. Ganz ehrlich! Es ist echt schon lange her, dass ich so meine „rebellische Phase“ hatte. Also ich meine nicht die „Trotzköpfchen-Phase“ kurz vorm Kindergarten. Sondern die, als man „Trau keinem über 30“ las, irgendwelche kruden Peace-Zeichen auf den Parka malte und glaubte, dass die Füße auf (statt unter) dem Tisch das Establishment wirklich erschüttern würden.

Wie gesagt: lange her und eigentlich komplett vergessen.

Bis vor wenigen Tagen. Denn da kam die DGS, die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie. Wortreich und wortgewaltig und ideologisch überzeugt verwies sie nämlich auf den „rebellischen Charme“, den Balkonkraftwerke haben. Also verkürzt, wenn jemand zwei PV-Module an die Balkonverkleidung nagelt, den Ertrag per Schukostecker direkt in die eigene Stromleitung einspeist und so mit ein paar 100 Watt am Balkon (und einem knappen Tausender an Euros weniger auf dem Konto) die eigene Energiewende vorantreibt.

Das ist doch wirklich rebellisch, gell? So richtig auflehnend gegen „die da oben“, oder? Warum? Na, weil „die da oben“ das ja alle nicht so simpel zulassen wollen, die bösen Energieversorger. Uns einfach nicht dieses „Menschenrecht“ (Zitat!) einräumen, sagt die DGS – der jetzt endlich klar geworden ist, „dass kein Bürger sich hierzulande das demokratische Recht auf Nutzung der Sonnenenergie streitig machen lassen darf.“ (noch´n Zitat!) Das „Menschenrecht“, und das „demokratische Recht“ – na wenn das mal kein richtig scharfes Schwert ist! Vor allem mit dem hinterlegten Slogan der selbsternannten Solarrebellen. Wie der lautet? Ganz einfach: „Wir sind die Energiewende!“ (auch´n Zitat!) Also statt „Wir sind das Volk!“ von den Leipziger Montagsdemonstrationen kommt jetzt „Wir sind die Energiewende!“ von der DGS.

So geht professioneller Solarstrom von der Fassade. Genehmigungstechnisch kein Problem, überaus effizient – aber eben alles andere als „rebellisch“ im Sinne der Kleinkraftwerke im Klein-Bürgerlichen Sinne…
Quelle: Martin
So geht professioneller Solarstrom von der Fassade. Genehmigungstechnisch kein Problem, überaus effizient – aber eben alles andere als „rebellisch“ im Sinne der Kleinkraftwerke im Klein-Bürgerlichen Sinne…

In kleinerer Münze wird wohl heutzutage nicht mehr gezahlt, wenn ökologisch derart vorbildliche Vor-Denker den Kampf um die Lufthoheit an Deutschlands Balkonbrüstungen ausrufen… Und natürlich, nicht zu vergessen, spielt bei all den unglaublichen Widerständen aus Sicht der DGS auch wieder „die Presse“ ihre bekanntermaßen unrühmliche Rolle. Weil sie „sich lieber des 'copy&paste' bedient, anstatt der Sache selbst auf den Grund zu gehen“; bei der Frage, wie weit zum Beispiel ein Hintergrundpapier des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit „Rechtlichen Hinweisen zum Verfahren beim Anschluss von Plug In-Solarstromanlagen an das Niederspannungsnetz“ fachlich-sachlich stimmt.

Stimmt natürlich nicht, weiß die DGS. Vorne und hinten nicht. Sondern das unterstützt alles nur die „Blockadeversuche mit einem handfesten wirtschaftlichen Hintergrund“, den die Netzbetreiber eben haben. Und die deswegen einfach die kleinen PV-Module mit Verbindung zur nächsten Steckdose im Wohnzimmer nicht zulassen wollen…

Wenn ich es mir recht überlege: Das hat wirklich was von Diktatur. Von brutalster Willkür. Voll echt. Weil: All die VDE-Vorschriften und die anderen Regelwerke rund um den Strom – die sind bestimmt nur dazu da, diese „Avantgarde einer grünen Zukunft“ (immer noch´n neues Zitat!) einzubremsen, wenn sie das „Menschenrecht auf Nutzung der Sonne“ (ja, auch das ist Zitat!) einfordert.

Damit wir uns richtig verstehen: Diese Meinung kann man gerne haben. Genauso, wie man an die Chemtrail-Verschwörung glauben darf oder an die Rückkehr der Jedi-Ritter. Man kann auch die Technik der kleinen Stromerzeuger auf dem Balkon gut finden. Vielleicht aber sollte man, einfach im Sinne eines erwachsenen Diskurses, dabei mal wieder ganz schnell ganz deutlich die Luft aus der mit „demokratischen Grundwerten“ so fürchterlich aufgeblasenen Diskussion herauslassen. Es gibt nämlich auf Erden immer noch ein paar andere Themenkomplexe, wo die Einforderung von Menschenrechten nach wie vor wirklich notwendig und von Bedeutung ist!

Montag, 05.02.2018

Eckhard Martin
Von Eckhard Martin
Chefredaktion SanitärJournal